• Sabine Stecher

Wann läuft ein Change-Prozess fair?

In der Serie „Klassiker der Sozialpsychologie“ stelle ich Ihnen vor, von welchen Theorien Sie in Ihrem Führungsalltag profitieren können.


„Auch wenn noch unklar ist, was in unserem Veränderungsprozess genau passieren wird, kannst du dich auf eines verlassen: Es wird fair ablaufen.“ Wer als Führungskraft nach dem Prinzip der Fairness handelt und dieses Vorgehen glaubwürdig vermittelt, erleichtert sich selbst und seinen Mitarbeitern den Umgang mit Veränderungen.

Sozialpsychologische Studien belegen: Menschen sind bereit, selbst für sie nachteilige Entscheidungen zu akzeptieren, wenn diese aus ihrer Sicht fair getroffen wurden, sie sich gut informiert und respektiert fühlen. Die Sozialpsychologie nennt diese Erkenntnis den „Fair Process Effect“, Führungskräfte können daraus eine wichtige Leitlinie für ihr Handeln und Kommunizieren ableiten.


Wie fair wir einen Veränderungsprozess einschätzen, hängt von vier Dimensionen der Gerechtigkeit ab:


1. Distributive Gerechtigkeit: In Change-Prozessen werden schnell Gewinner und Verlierer identifiziert, Vor- und Nachteile abgewogen. Hier hilft es zu wissen, wann Entscheidungen als fair eingeschätzt werden:

  • Der Output muss dem geleisteten Input entsprechen, also zum Beispiel die neue Position der Leistung und den Kompetenzen des Mitarbeiters.

  • Ebenso sollte nachvollziehbar sein, nach welchen Regeln entschieden wurde und ob relevante Bezugsgruppen das Gleiche erhalten.

  • Für sogenannte „Verlierer“ sollte ein Ausgleich geschaffen werden.


2. Prozedurale Gerechtigkeit: Wir nehmen einen Prozess als fair wahr, wenn die Prozessschritte transparent und vorhersehbar sind und wir genügend Möglichkeiten haben uns einzubringen.


3. Informationale Gerechtigkeit: Mitarbeiter empfinden das Vorgehen als fair, wenn sie über das Change-Projekt zeitgerecht und präzise informiert werden und nachvollziehbare Erklärungen zu den Hintergründen erhalten.


4. Interpersonale Gerechtigkeit: Gehen Führungskräfte respektvoll mit den betroffenen Personen um, beeinflusst dies ebenfalls unsere Fairness-Wahrnehmung.


Fairness-Check für Wandelprojekte in Organisationen

Wie durch faire Bedingungen in allen Phasen eines Veränderungsprozesses Skepsis und Widerstand abgebaut werden können, stellen die Sozialpsychologen Dieter Frey und Bernhard Streicher in ihrem Fairness-Check vor. Veröffentlicht wurde der Check in der Zeitschrift für OrganisationsEntwicklung 4/2008, S. 70-75.


Dieter Frey ist seit 1993 Lehrstuhlinhaber für Sozialpsychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München und seit 2007 Leiter des LMU-Centers for Leadership and People Management, einer Einrichtung der Exzellenzinitiative. Bernhard Streicher ist seit 2014 Professor für Sozial- und Persönlichkeitspsychologie an der Universität für Gesundheitswissenschaften (UMIT) in Hall in Tirol und seit 2015 Leiter des Departments für Psychologie und Medizinische Wissenschaften.

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